{"id":37,"date":"2015-09-11T16:46:25","date_gmt":"2015-09-11T14:46:25","guid":{"rendered":"http:\/\/yeziden-ostfriesland.de\/?page_id=37"},"modified":"2024-08-07T12:25:45","modified_gmt":"2024-08-07T10:25:45","slug":"das-yezidentum","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/yeziden-ostfriesland.de\/?page_id=37","title":{"rendered":"Ezidentum"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/yeziden-ostfriesland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Vereinsflyer-4-Print-Lalish-e1707389397464.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"564\" src=\"https:\/\/yeziden-ostfriesland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Vereinsflyer-4-Print-Lalish-e1707389397464-1024x564.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1272\" srcset=\"https:\/\/yeziden-ostfriesland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Vereinsflyer-4-Print-Lalish-e1707389397464-1024x564.jpg 1024w, https:\/\/yeziden-ostfriesland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Vereinsflyer-4-Print-Lalish-e1707389397464-300x165.jpg 300w, https:\/\/yeziden-ostfriesland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Vereinsflyer-4-Print-Lalish-e1707389397464-768x423.jpg 768w, https:\/\/yeziden-ostfriesland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Vereinsflyer-4-Print-Lalish-e1707389397464-1536x847.jpg 1536w, https:\/\/yeziden-ostfriesland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Vereinsflyer-4-Print-Lalish-e1707389397464.jpg 1736w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n<div class=\"enigma_heading_title\">\n<h3>Ein kurzer Einblick<\/h3>\n<\/div>\n<p><strong>Ursprung<\/strong><\/p>\n<p>Das Yezidentum<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> ist eine monotheistische<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Religion aus dem Nahen Osten, dessen Wurzeln in eine weit vorchristliche Zeit zur\u00fcckreichen. Die Selbstbezeichnung der Yeziden<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> lautet Ezdi,\u00a0 Ezdai, oder \u201eEz da\u201c, was so viel bedeutet wie Gott schuf, bzw. Gottes Sch\u00f6pfung.<\/p>\n<p>Das Yezidentum ist keine missionierende Religion, demzufolge gibt es keine M\u00f6glichkeit zu diesem Glauben zu konvertieren, wodurch diese Religion im Gegensatz zu anderen Religionen praktisch nicht expandiert.<\/p>\n<p><strong>Verbreitung und Verfolgung<\/strong><\/p>\n<p>Die Yeziden werden im allgemeinen von Ihrer Volkszugeh\u00f6rigkeit zu den Kurden gez\u00e4hlt und ihre Sprache wird oftmals als das nordkurdische Kurmanji<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> klassifiziert. Es ist wichtig zu beachten, dass es sich hierbei aus Sicht der \u00caz\u00eeden um eine Fremdbezeichnung handelt. Die \u00caz\u00eeden sehen sich selbst als ethno-religi\u00f6se Gruppe und haben sich in Ihre gesamten Geschichte auch als solche definiert, \u00e4hnlich wie man es von &#8220;den Juden&#8221; kennt. Da sowohl das Siedlungsgebiet<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>, als auch die Sprache \u00e4quivalent mit der heute im allgemeinen als kurdisch bezeichneten Volksgruppe ist, gilt allgemein die These, dass das \u00caz\u00eedentum die urspr\u00fcngliche Religion aller Kurden war. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich der Begriff &#8220;Kurden&#8221;, oder &#8220;kurdisch&#8221; manifestiert. Viele \u00caz\u00eeden bezeichnen sich daher im allgemeinen selbst als Kurden, wobei unter diesem Sammelbegriff auch nicht ezidische Kurden (Muslime \/ Christen \/ Juden) gemeint sind. Sie bilden eine religi\u00f6se Minderheit unter den inzwischen mehrheitlich zum Islam konvertierten Kurden und haben immer versucht friedlich Seite an Seite mit Ihnen zu leben. Dies hat teilweise reibungsfrei f\u00fcr Jahrzehnte, bzw. Jahrhunderte funktioniert, doch kam es einmal zu \u00dcbergriffen, dann wurde nicht zuletzt aufgrund der zahlenm\u00e4\u00dfigen Unterlegenheit schnell ein Genozid daraus. Ganze Landstriche wurden dabei &#8220;ezidenfrei&#8221; gemacht.<\/p>\n<p>Bei dem im allgemeinen als &#8220;V\u00f6lkermord an den Armeniern&#8221; bekannten Genozid in den Jahren 1915 &#8211; 1916, fand zeitgleich ein V\u00f6lkermord an den Eziden statt. Durch diese Ereignisse wurden tausende Quadratkilometer im Osten der T\u00fcrkei &#8220;bereinigt&#8221;. Alle die dem V\u00f6lkermord und der Zwangskonvertierung entgehen konnten, sind hierbei zumeist in Kaukasische Gebiete, unter anderem nach Armenien, Georgien und Russland ausgewandert, wo es seit jeher \u00eaz\u00eedische Gemeinden gibt. Zudem gibt es die \u00cazidische Diaspora in Europa und Amerika. In Deutschland leben sch\u00e4tzungsweise 60.000 &#8211; 120.000 Yeziden, die zum gr\u00f6\u00dften Teil in den 1980ern, als Fl\u00fcchtlinge aus der T\u00fcrkei nach Deutschland kamen. Bereits zu dieser Zeit bildeten sich nach und nach yezidische Gemeinden, unter anderem auch in Ostfriesland, wo es seit 1990 den Yezidischen Kulturverein in Ostfriesland e.V. gibt. Insgesamt wird die Zahl der Yeziden auf weltweit 800.000 \u2013 1.000.000 gesch\u00e4tzt, wobei der gr\u00f6\u00dfte Teil im Nordirak beheimatet ist.<\/p>\n<p>Der Yezidische Glaube ist anderen Religionen gegen\u00fcber sehr tolerant, da man nicht mit anderen Religionen um Anh\u00e4nger konkurriert.<\/p>\n<p>Eines der wichtigsten \u00eaz\u00eedischen Gebete lautet:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><strong>\u201eLieber Gott, sch\u00fctze erst die 72 anderen V\u00f6lker und danach uns.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Dennoch waren die Yeziden in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrtausenden st\u00e4ndiger Verfolgung, Unterdr\u00fcckung und Diskriminierung ausgesetzt. Ihr Siedlungsgebiet (Ezd\u00eexan \/ Kurdistan), ist seit Jahrtausenden Schauplatz von unz\u00e4hligen Kriegen. Viele Gro\u00dfreiche sind dort entstanden und gefallen und die Yeziden waren dabei immer wieder Opfer von Gr\u00e4ueltaten. Aktuell sind die Yeziden im Nordirak in den Fokus der Welt\u00f6ffentlichkeit ger\u00fcckt, da sie gezielt von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS, bzw. ISIS) verfolgt, get\u00f6tet und versklavt werden. Der gegenw\u00e4rtige V\u00f6lkermord ist nur der letzte von insgesamt 74 m\u00fcndlich \u00fcberlieferten Genoziden, im Laufe der Jahrtausende.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Das<\/strong> <strong>Kastensystem<\/strong><\/p>\n<p>Im 11. \u2013 12. Jahrhundert wurde das Yezidentum durch \u201eScheich Adi\u201c, welcher eine zentrale Figur im Yezidentum einnimmt, reformiert. Im Zuge dieser Reformation, wurde das Kastensystem eingef\u00fchrt, welches sich wie folgt gliedert:<\/p>\n<p>Die Scheiche: Sie sind die\u00a0 geistlichen F\u00fchrungskr\u00e4fte der Yeziden, mit zus\u00e4tzlichen administrativen Funktionen. Sie nehmen an allen Zeremonien und Feierlichkeiten, bis hin zum Begr\u00e4bnis teil und haben innerhalb der yezidischen Gesellschaft eine Schlichterfunktion.<\/p>\n<p>Die Pirs: Die Pirs<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> geh\u00f6ren neben den Scheichen ebenfalls zu den religi\u00f6sen F\u00fchrungskr\u00e4ften. Auch sie sind daf\u00fcr zust\u00e4ndig, den Glauben aufrecht zu halten. Sie nehmen ebenfalls an Zeremonien teil und fungieren als Ansprechpartner f\u00fcr die Muriden.<\/p>\n<p>Die Muriden: Die Muriden bilden die Gr\u00f6\u00dfte Kaste innerhalb der Yeziden und repr\u00e4sentieren im Prinzip das normale Volk, innerhalb der yezidischen Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Der Glaube<\/strong><\/p>\n<p>Im Yezidentum gibt es keinen Propheten, bzw. gesandten Gottes in menschlicher Gestalt. Es gibt allerdings einen Engel, der im Mittelpunkt des yezidischen Glaubens steht. Es handelt sich hierbei um \u201eTausi-Melek<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>\u201c <em>(teilweise genannt als Engel Pfau, nach neuster sprachwissenschaftlicher Auffassung jedoch w\u00f6rtlich als Engel Gottes zu \u00fcbersetzen)<\/em>, welcher im Yezidentum fast so verehrt wird, wie Gott selbst. Er gilt aus yezidischer Sicht als oberster der sieben Engel und somit W\u00e4chter der Welt, sowie als Mittler f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen. Der yezidischen Sch\u00f6pfungsgeschichte nach, ist Tausi-Melek aktiv an der gesamten Sch\u00f6pfungsgeschichte, sowie Gottes Plan beteiligt.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den Abrahamitischen Religionen, gibt es im Yezidentum nicht die Vorstellung \u00fcber die Koexistenz eines g\u00f6ttlichen Widersachers, womit der Glaube an eine \u00fcbermenschlich b\u00f6se Gestalt entf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Vielmehr wird Gott als allm\u00e4chtig angesehen und Schuf den Menschen mit sowohl guten wie auch negativen Eigenschaften. Der Mensch selbst ist f\u00fcr seine Taten verantwortlich und kann mit seinem eigenen Willen dar\u00fcber entscheiden, ob er gutes, oder b\u00f6ses tut. Dies entspricht einem der wichtigsten Grunds\u00e4tze der ez\u00eedischen Philosophie, n\u00e4mlich der &#8220;Selbstverantwortung&#8221;.<\/p>\n<p>Da man im Yezidentum an die Reinkarnation und somit die Wiedergeburt des Menschen glaubt, gibt es keine Vorstellung vom Jenseits, wie man es zum Beispiel aus den Abrahamitischen Religionen kennt (Paradies\/H\u00f6lle). Das Leben endet demzufolge nicht nach dem Tod, sondern erreicht einen neuen Zustand, der wiederum von den Taten, des vergangenen Lebens abh\u00e4ngig ist. Die Seelenwanderung (Kras guhartin) ist somit ein weitere fundamentaler Grundsatz der ez\u00eedischen Philosophie, bzw. Glaubenslehre. Die &#8220;Weiterentwicklung&#8221; der eigenen Seele entspricht hierbei dem Sinn des menschlichen Daseins. Die Selbstverantwortung, sich, seinen Mitmenschen, sowie der gesamten Natur gegen\u00fcber, dient hierbei wieder als Leitfaden.<\/p>\n<p>Die Glaubenslehre beruht nicht auf einer heiligen Schrift, wie z.B. der Bibel, oder dem Koran. Schriftliche \u00dcberlieferungen, sind mit Ausnahme von einigen \u00dcberbleibseln, im Zuge der unz\u00e4hligen Invasionen vernichtet worden. Der Ezidische Glaube basiert folglich auf m\u00fcndlichen \u00dcberlieferungen, welche durch Lieder (Qewals) und Br\u00e4uche vermittelt werden.<\/p>\n<p>Die Sonne ist eines der wichtigsten Symbole im Yezidentum und wurde in der fr\u00fchen Geschichte sogar als Gottheit verehrt, weshalb sich viele Yeziden auch als Sonnenanbeter bezeichnen. Aus diesem Grund f\u00e4llt der wichtigste Feiertag der Yeziden (Ida Ezdi) in die Wintersonnenwende, n\u00e4mlich zum Ende der yezidischen Fastens Zeit<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> im Dezember jeden Jahres.<\/p>\n<p>___________________________________________________________________________<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Alternative Schreibweise \u201eJesidentum\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Monotheismus = Der Glaube an einen einzigen, allumfassenden Gott.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Alternative Schreibweise \u201eJesiden\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Der am meisten verbreitete kurdische Dialekt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Das Siedlungsgebiet der Kurden verteilt sich auf die vier L\u00e4nder T\u00fcrkei, Iran, Irak, Syrien.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Pir\u00a0 = (persisch \u201eder \u00c4ltere\u201c oder \u201eder alte, weise Mann\u201c)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Alternativ \u201eMelek Taus\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Fasten bedeutet auf Kurdisch \u201eRoji\u201c, was wiederum vom kurdischen Wort f\u00fcr Sonne \u201eRoj\u201c abgeleitet ist.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kurzer Einblick Ursprung Das Yezidentum[1] ist eine monotheistische[2] Religion aus dem Nahen Osten, dessen Wurzeln in eine weit vorchristliche Zeit zur\u00fcckreichen. 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